Vorwort
Über 100 Jahre "TVE 1905 e.V." sind unzertrennlich verbunden
mit Leben und Wirken vieler Menschen in unserer Stadt. schrieb Paul
Förster in seinem Grußwort in die Festschrift zum 100-jährigem
Jubiläum. Diese Festschrift soll Grundlage für dieses kleine
Geschichtsbuch sein, mit der Hoffnung es möge ergänzt und
fortgeschrieben werden.
Redaktion Karl Hiltbrunner, Paul
Förster, Kristina Kirchner
Wir bitten um Bildmaterial Textbeiträge Urkunden
Geschichten und Anecktoden rund um den TVE Geschichte@tve1905.de
db
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Turnverein
Eichenkranz Bad Münstereifel
Der Gründer des TVE war Turnbruder Vinzenz Fiedler.
Versammlungen und Besprechungen fanden im Jahre
1905 in der
Werkstatt seiner Möbelschreinerei statt. Zuerst vereinigte er in seiner Person
alle Vorstandsposten. Da jedoch der TVE im Jahre 1906 der Deutschen Turnerschaft beitrat, musste ein Vereinsvorstand gewählt werden.
Bereits am 30.09.1906 fand auf der
Burg ein gemütlicher Abend statt, mit einem großen Schauturnen und in Verbindung
mit einer Rekrutenabschiedsfeier.
(ältestes vorhandenes Bild vom TVE)
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Bezirkswettturnen und Fahnenweihe am 12.6.1910
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Während des 1. Weltkrieges konnte der Turnbetrieb
nur mühsam aufrechterhalten werden und wurde dann ganz eingestellt.

Sportfest 1914 |
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In der Mitte Josef Jenniches, der 2001 im Alter von 105 Jahren verstarb |
Nach dem Krieg wurde das Turnen unter der Leitung
von Heinrich Wassenberg wieder aufgenommen
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Bald war der TVE in alter Frische wieder da und
wurde sogar 1922 um eine Schlagball-, Fußball- und Leichtathletikabteilung
erweitert
Am 07.10.1925 folgte die Gründungsversammlung einer Wanderabteilung, auf der beschlossen wurde, dass die Wanderungen mit Humor
verbunden werden müssen.
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Turnriege von 1925 auf dem Burghof beim Turnen |
Damenturnriege von 1925 |

Herrenturnriege von 1925 |
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Schwere Zeiten bleiben wohl keinem Verein erspart. Auf ein Hoch folgt gewöhnlich ein Tief, so auch beim
TVE. Infolge von Zwistigkeiten traten viele Mitglieder aus und gründeten einen
zweiten Turnverein, andere Mitglieder einen Athletenverein.
1926 machten sich die Fußballer selbständig und es entstand der "Club für Rasenspiele", heute der SV
Bad Münstereifel-Iversheim.
Anstelle des Fußballs wurde eine Handballabteilung aufgemacht.
Als in Münstereifel im SchIeidtal ein Schwimmbad eröffnet wurde, war klar, eine Schwimmabteilung musste her.
Dann brach der 2. Weltkrieg aus. Da die Turnhalle beschlagnahmt wurde, musste in die Sporthalle des
Ursulinenklosters umgezogen werden. Wegen der vielen Bombenangriffe wurde der Übungsbetrieb dann ganz eingestellt. Eine Bombe traf die Sporthalle und alle Gerätschaften
des TVE wurden in den Trümmern begraben.
Nach dem Krieg verbot die Besatzungsmacht (Engländer) das Turnen. Als jedoch eine Lockerung eintrat, wurden die Turngeräte ausgegraben und zur Burg gebracht, wo bald der
Sportbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.
Was wäre ein Vereinsleben ohne die
gemütlichen und geselligen Stunden miteinander? So hat auch neben dem
sportlichen Teil die Geselligkeit und Kameradschaft bis heute einen großen Anteil
daran, dass der TVE Heimat für jedermann sein kann. Waren bereits zu Zeiten
unseres "Turnvater Jahn" vor rund 150 Jahren die in ganz Deutschland
legendären und bekannten "Götzwanderungen" für alle Turnvereine
obligatorisch, so wurde diese Tradition auch im TVE erhalten und nach dem 2.
Weltkrieg wieder belebt und zum festen Programmpunkt im Veranstaltungskalender
des Vereins.
Von den ältesten Mitgliedern
Josef Jenniches bzw. Leo Michel (Vorsitzender des TVE) bis zu den jüngsten
wanderte der gesamte Verein im ersten Jahr 1946 zum "Haus Hardt"
nach Effelsberg mit zunächst nur etwa 40 Mitgliedern, wobei vielleicht
bemerkenswert ist, dass es die Zeit war, wo Lebensmittelmarken mit allen
negativen Einschränkungen kein wahlloses Essen und Trinken zuließen.
Spartanisch wurde gewandert, aber nicht weniger froh.
Aber schon die zweite Götzwanderung führte 1947 ins
"Ausland", nämlich in die französische Zone, die gleich in der Nähe
von Schuld begann, zur Daubiansmühle. Hier nun genoss man den in der französischen
Zone zur Genüge vorhandenen Wein.
Dauerregen hinderte dann 1948 die Mehrzahl der
Mitglieder, an der Wanderung teilzunehmen, und so waren es nur 16 Unentwegte,
die nach Eicherscheid in das Cafe zu unserem Mitglied Willi Kurz den Weg fanden.
Götzwanderung zur Daubiansmühle 1947
Damenturnriege von 1948 |

Herrenturnriege von 1948 |
Mittlerweile war die Mitgliederschar stark
gewachsen und so wurde 1950 zur Wasserscheide bzw. nach Esch gewandert, wo
besonders für die Kinder und Jugendlichen Spiel und Sport geboten wurde. War es
die Firma Auto Heinen, die diese Aktionen finanziell auf Bitten ihres
Betriebsleiters Ernst Bisterfeld unterstützte, so sorgte Jack Nücken für
Getränke sowie Süßes und Obst, welches an die Kleinen verteilt bzw. von ihnen
gewonnen wurde. Auch in den folgenden Jahren
wurde an diesen traditionellen Götzwanderungen, die jeweils

Götzwanderung 1950 |
am Rathaus, nach
Abschluss der hl. Messe, begannen, festgehalten. Mit Fahne und dem Vereinslied
"Turner auf zum Streite, tretet in die Bahn" startete jede Wanderung
bis etwa 1983. |

Götzwanderung 1980 |
Zunehmende Motorisierung und andere Interessen führten dann zum Nachlassen der Teilnahme. Nicht so bei den Handballern des Vereins, denn diese initiierten nun am Christi Himmelfahrtstag
jeweils Familienwandertage und Ausflüge. Neben diesen Wanderungen trugen fortan auch Ausflüge der nun schon als Senioren startenden ehemaligen
Mannschaftskameraden der 1. und 2. Handballmannschaft, z.B. nach Heidelberg, Oberstaufen, Norderney, Dinkelsbühl, Sardinien oder in die Türkei u. v .a. m.
bis heute zur Kameradschaft viel bei.
Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Eine Karnevalsabteilung wurde ins Leben gerufen und es fanden über Jahre hinweg Karnevalssitzungen und Maskenbälle statt. Diese Abteilung nannte
man den TVE im TVE (Total verdötschter Elferrat).
Ehe es in Münstereifel nach dem Krieg wieder zum
Sitzungskarneval kam, blühte erst der urtümliche Straßenkarneval wieder auf.
Der erste Karnevalszug durch die Kernstadt ging 1949; damals schon mit
Beteiligung von Kräften aus dem TVE, aber noch ohne Wurfmaterial.
Selbstgemachte Sträußchen waren dann ab Beginn der 1950er Jahre das erste
Wurfmaterial. Hand- made waren auch die handgeschriebenen und -gemalten Plakate,
mit denen man für die Karnevalssitzungen warb, ehe man sich später welche
drucken lassen konnte.
Impression
vom Karnevalszug 1949. Hinter Barbara Schweinheim, geborene Schmitz, erkennt man
Käthe Ebert, Martha Hilger und N.N. Links vom Haus Steinmann sind noch die Trümmer
eines kriegszerstörten Hauses zu erkennen.
Für selbst gemachte Musik sorgte z.B. Hans-Bernd
Koenigs, der als Trainer des Tanzpaars und der Garde das Tanzpaar bei Tänzen
auf der Straße mit dem Akkordeon begleitete
Einen Wagen für die TVE-ler
gab es erstmals im Jahr 1950, und ab 1955 stand dem Tanzpaar und der Garde ein
eigener Wagen zur Verfügung. Alle Gardemädchen gehörten der Turnriege an. Sie
turnten an allen Geräten sowie am Boden, wobei Jungen und Mädchen damals noch
getrennt turnten. Als Turnwartinnen fungierten nacheinander Grete Ehl, geborene
Zimmermann, Käthe Ebert, Änne Wagner und Lieselotte Schneider, die später
alle Turngruppen der Damen führte, von der Jugend bis zu den Senioren.
Ein Tanzpaar stellte der TVE
übrigens ab 1950. Es wurde von Barbara Schweinheim, die 1949 als Mariechen solo
begonnen hatte, und Josef Meier, dem älteren Bruder der Glockenspielwirtin
Trude Bresgen, gebildet. Bis 1956 waren die beiden gemeinsam aktiv, ehe Elli
Berkenkopf, verheiratete Norget, an die Stelle von Barbara Schweinheim trat.
Aufnahme eines TVE-Wagens in den 1950er Jahren. Neben
dem Tanzpaar Barbara Schweinheim und Josef Meier sind die Gardemädchen Wilma
Schmitz (vorne), Elli Berkenkopf, Hilde Berkenkopf, Katharina Bongartz und
Hildegard Schmitz sowie Sitzungspräsident Fritz Weiler mit von der Partie.
Die Preismaskenbälle gab es
von 1949 bis zur Session 1967/68. Man zog zu Weiberfastnacht mit zwei großen
Gruppen von Kneipe zu Kneipe und trug konsequent bis Mitternacht die
Gesichtsmaske, die dann erst gelüftet werden durfte.
Das Tanzpaar eröffnete übrigens die TVE-Sitzungen, die
anfangs auf der Burg und zuletzt im Kino stattfanden, als "Eisbrecher"
- mit einem Lied. Damals hatte man in Münstereifel noch ein Kino. Es war dort,
wo heute der Spar Markt in der Werther Straße zu finden ist.
Tanzpaar
Barbara Schweinheim und Josef Meier. Das Foto trägt eine Widmung mit Autogramm
des Kölner Karnevalisten Jupp Schlösser, der 1952 in Münstereifel kurte.
Aufgenommen wurde der Sitzungskarneval ab der Session 1950/51 - und der TVE brachte karnevalistische
Spitzenkräfte hervor. Aus der Riege der Büttenredner sind Michael Krösinger,
der als der "stotternde Feuerwehrmann" den Saal zum Sieden bringen
konnte, Else Eicks, verheiratete Zingel, und Friedchen Meier, die Mutter des
Tanzoffiziers Josef Meier, besonders zu erwähnen.
In Liedform kommentierten "Die vier Schlipse" die Lokalpolitik. Hans Berens, aktiver Handballer,
Josef Mahlberg, aktiver Turner, Erich Pauli, Turnwart und Jugendturnwart, und
Ludwig Kolvenbach, der langjährige Schriftwart, waren feste Größen im
Sitzungskarneval des TVE.
Über den Karneval fand auch der gebürtige Kölner Fritz Weiler nach Münstereifel. Er wurde als Sitzungspräsident
gewonnen und blieb beruflich als Leiter der Kurverwaltung in Münstereifel. Als
Sitzungspräsident ist er auch heute noch in bester Erinnerung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der TVE zeitweise zu einem Träger des Münstereifeler
Karnevals, weil zahlreiche Mitglieder Karnevalisten waren. Als diese Generation
auseinander strebte, sei es durch Berufsausbildung und/oder Heirat, feierte man
privat weiter Karneval, nicht mehr jedoch im Verein. Die große karnevalistische
Zeit des TVE endete ungefähr 1964. Neben dem TVE hatte sich in
den 1950er
Jahren eine Riege von jungen Karnevalisten gefunden, die als "Fidele
Stumpjass" ihren gewichtigen Beitrag zum Karneval in Münstereifel
beisteuerten.
Aber auch die Fidele Stumpjass brach nach einer Generation wieder
auseinander. Erst mit den Bubbelsbrödern entstand 1967 eine Organisation, die
dem Münstereifeler Karneval Kontinuität verlieh.
Garde und Elferrat beim Sitzungskarneval der 1950er Jahre
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